Märkte · 17. Juni 2026

SpaceX IPO: Das größte Börsendebüt der Geschichte und ein strukturelles Dilemma

1,75 Billionen Dollar Bewertung, 75 Milliarden eingesammelt. Aber Musk steht gleichzeitig DOGE vor und der Staat ist SpaceX größter Auftraggeber. Was der Markt dabei übersieht.

SpaceX startete am 12. Juni 2026 unter dem Ticker SPCX auf dem Nasdaq. Die angestrebte Bewertung von 1,75 Billionen Dollar würde Saudi Aramcos IPO-Rekord von 2019 brechen. Dahinter steckt ein Unternehmen mit echten Stärken, aber auch einem Interessenskonflikt der seinesgleichen sucht.

Am 4. Juni 2026 begann SpaceX seinen Roadshow-Prozess. 135 Dollar pro Aktie, 556,6 Millionen Aktien angeboten, Listing am 12. Juni auf dem Nasdaq unter dem Ticker SPCX. Wenn die Zielpreise gehalten werden, ist es das größte IPO der Börsengeschichte. Die Schlagzeilen überschlagen sich. Aber hinter der Euphorie lohnt sich ein nüchterner Blick.

Was SpaceX wirklich ist

SpaceX erzielte 2025 einen Umsatz von 18,7 Milliarden Dollar. Getrieben wird das Wachstum fast ausschließlich von Starlink, dem Satelliten-Internetdienst mit inzwischen über zehn Millionen zahlenden Abonnenten weltweit. Falcon 9 ist die zuverlässigste Orbitalrakete der Geschichte, mit über 350 erfolgreichen Missionen in Folge. Der Auftragsrückstand übersteigt 30 Milliarden Dollar. Das sind reale, beeindruckende Zahlen.

Das Bewertungs-Multiple ist trotzdem aggressiv. Bei 1,75 Billionen Dollar und 18,7 Milliarden Dollar Umsatz ergibt sich ein Umsatz-Multiple von etwa 94. Zum Vergleich: Amazon handelt bei etwa 3, Apple bei etwa 8, selbst Nvidia bei etwa 25. SpaceX preist damit nicht das heutige Unternehmen ein, sondern eine Zukunft in der Starlink zum globalen Telekommunikations-Rückgrat wird und Starship die Kosten für Raumfahrt so weit senkt, dass völlig neue Märkte entstehen.

Der Interessenskonflikt den niemand diskutiert

Elon Musk leitet gleichzeitig DOGE, das Regierungseffizienzprogramm das Bundesausgaben kürzt, und SpaceX, dessen größter Auftraggeber die US-Bundesregierung ist. NASA, Verteidigungsministerium und Space Force haben SpaceX-Verträge im Gesamtwert von zig Milliarden vergeben. Das ist kein theoretisches Problem. Es ist ein struktureller Widerspruch der in keiner Roadshow-Präsentation prominent auftaucht.

Hinzu kommt die xAI-Konsolidierung. Die KI-Sparte verbrannte 2025 bei 3,2 Milliarden Dollar Umsatz einen operativen Verlust von 6,4 Milliarden Dollar. Das profitable Raketen- und Satelliten-Geschäft finanziert gerade ein KI-Unternehmen das massiv Geld verbrennt. Das IPO ist in diesem Kontext auch ein Weg, externes Kapital für einen Investitionszyklus zu holen der noch Jahre Verluste produzieren wird.

Was Anleger wissen sollten

SpaceX ist ein außergewöhnliches Unternehmen mit echter technologischer Dominanz in einem Markt den es selbst geschaffen hat. Wer beim IPO einsteigt, kauft aber nicht das heutige SpaceX. Man kauft eine Wette auf Starship als zuverlässige Schwerlastrakete, auf Starlink als globales Telekommunikations-Rückgrat, und auf orbitale Rechenzentren als neue Assetklasse. Alle drei Szenarien sind plausibel. Keines ist sicher.

Bei 1,75 Billionen Dollar Bewertung sind erhebliche Zukunftsszenarien bereits eingepreist. Musk selbst warnte intern vor einem realen Insolvenzrisiko sollte Starship keine zuverlässige Flugrate von mindestens zweimal pro Woche erreichen. Das ist kein Detail am Rande. Es ist die zentrale Variable für alles was folgt.