Aktien & Investoren · 19. Juni 2026

SpaceX: Drei Unternehmen in einem Ticker — und nur eines verdient Geld

Das S-1 zeigt zum ersten Mal die echten Zahlen. Starlink druckt Geld, Raketen brechen selbst, xAI verbrennt Milliarden. Und dann ist da noch die Idee mit den Rechenzentren im Weltraum.

SpaceX erzielte 2025 einen Umsatz von $18,7 Milliarden, schrieb aber einen GAAP-Nettoverlust von $4,9 Milliarden. Der Grund: Die neue KI-Sparte, in der xAI konsolidiert wird, verbrannte $6,4 Milliarden bei nur $3,2 Milliarden Umsatz. Gleichzeitig schloss SpaceX einen Deal mit Anthropic über $1,25 Milliarden monatlich und enthüllte am 8. Juni seinen ersten Orbital-Rechenzentrums-Satelliten.

SpaceX hat mit dem S-1 Filing am 20. Mai 2026 zum ersten Mal in seiner 24-jährigen Geschichte offizielle Finanzzahlen veröffentlicht, und was drin steht, überrascht in beide Richtungen. Das Umsatzwachstum ist real und beeindruckend: 10,4 Milliarden Dollar 2023, 14,1 Milliarden 2024, 18,7 Milliarden 2025, ein Anstieg von 80 Prozent in zwei Jahren. Starlink, die Satelliteninternetsparte, trieb 91 Prozent dieses Wachstums. Starlink allein erzielte 2025 einen operativen Gewinn von 4,4 Milliarden Dollar bei 11,4 Milliarden Umsatz und einer Marge von rund 39 Prozent. Die Abonnentenzahl wuchs von 4,6 Millionen Ende 2024 auf 10,3 Millionen Ende März 2026, während der durchschnittliche Monatspreis von 99 auf 81 Dollar sank. Mehr Nutzer, günstigere Preise, trotzdem höherer Gewinn: das ist Skalierung.

xAI und der Preis des Wachstums

2024 machte SpaceX noch 791 Millionen Dollar Nettogewinn nach GAAP. 2025 war es ein Verlust von 4,94 Milliarden. Der Grund steht im S-1 klar benannt: die KI Division, in der xAI konsolidiert wird, erzielte 3,2 Milliarden Umsatz und produzierte gleichzeitig einen operativen Verlust von 6,4 Milliarden Dollar. Für jeden verdienten Dollar vernichtet xAI ungefähr zwei. Die Einheit machte 2025 bereits 61 Prozent der gesamten Investitionsausgaben der Gruppe aus, im ersten Quartal 2026 sogar 76 Prozent. Im Klartext finanzieren das profitable Raketengeschäft und die außerordentlich profitable Satelliteninternetsparte gerade eine KI Division, die massiv Geld verbrennt.

Was die Verluste strukturell zu begrenzen beginnt, ist ein einziger Vertrag. Im Mai 2026 gab Anthropic bekannt, SpaceX für den Zugang zu rund 325.000 NVIDIA GPUs in den Rechenzentren COLOSSUS und COLOSSUS II zu bezahlen, zu einem Preis von 1,25 Milliarden Dollar pro Monat bis Mai 2029. Annualisiert sind das 15 Milliarden, ungefähr so viel wie SpaceXs gesamter Umsatz von 2025. Google soll laut Berichten in ähnlichen Gesprächen sein. Sollten sich mehrere solcher Deals materialisieren, verändert das die Arithmetik der KI Division fundamental.

Rechenzentren im Orbit

Das vielleicht überraschendste Kapitel des S-1 ist das über orbitale Rechenzentren. Am 28. Januar 2026 reichte SpaceX beim FCC einen Antrag für eine Konstellation von bis zu einer Million Satelliten ein, die ausschließlich als fliegende Rechenzentren fungieren sollen. Am 8. Juni enthüllte Musk den ersten konkreten Satelliten dieser Klasse: AI1, mit einer Spannweite von 70 Metern breiter als ein Boeing 747 und mit einer Rechenleistung von 120 Kilowatt im Orbit. Die Logik dahinter ist bestechend: Satelliten erhalten im Weltraum 40 Prozent mehr Solarenergie als auf der Erdoberfläche, der Weltraum selbst dient als thermische Senke für Abwärme, und es gibt keine Grundstückskosten, keine Baugenehmigungen, keine Warteschlangen beim Netzanschluss. Alte Satelliten werden deorbitiert, neue mit aktueller Hardware gestartet, weil Starship die Kosten pro Kilogramm in den Orbit dramatisch senkt.

Das Grundproblem bleibt trotzdem real: SpaceX verliert als Gesamtunternehmen Geld, und die Verluste beschleunigen sich. Das bereinigte EBITDA von 6,6 Milliarden klingt gut, beinhaltet aber nicht die kumulierten Investitionsausgaben von über 17 Milliarden in den Bereichen Raumfahrt und künstliche Intelligenz. Musk selbst warnte intern vor einem realen Insolvenzrisiko, sollte Starship keine zuverlässige Flugrate von mindestens zweimal pro Woche erreichen. Der Börsengang ist in diesem Kontext auch ein Weg, externes Kapital für einen Investitionszyklus zu holen, der noch Jahre Verluste produzieren wird, bevor die orbitale Infrastruktur Erträge abwirft.