Michael Burry kauft gezielt, was alle hassen — und erklärt es diesmal öffentlich
Scion Asset Managements Q1-Filing zeigt ein Portfolio aus verlassenen Titeln. Ungewöhnlich: Burry erklärt seine Logik selbst auf Substack.
Burrys Scion Asset Management hält laut Q1 2026 SEC-Filing neun hochkonzentrierte Positionen in tief gefallenen Titeln — darunter MercadoLibre, Adobe und PayPal. Der Portfoliowert liegt bei ~$68 Mio.
Michael Burry ist der bekannteste konträre Investor der Welt — verewigt durch Michael Lewis' Buch The Big Short und den gleichnamigen Film mit Christian Bale. Was weniger bekannt ist: Burry ist eigentlich kein Leer-Verkäufer, sondern ein Value-Investor der alten Schule, der Graham-und-Dodd-Prinzipien anwendet und dabei eine Toleranz für Unbeliebtheit mitbringt, die kaum ein professioneller Investor nachahmen kann.
Sein Q1-2026-SEC-Filing zeigt ein Portfolio von neun Titeln im Gesamt-Wert von rund 68 Millionen Dollar. Die größten Positionen: Molina Healthcare (35% des Portfolios), MercadoLibre, Adobe und PayPal. Was diese Titel verbindet: Sie gelten aktuell alle als strukturelle Verlierer der KI-Ära — entweder weil KI ihr Geschäfts-Modell disruption-anfällig macht, oder weil sie in Sektoren operieren die Anleger-Kapital in Richtung KI-Growth verloren haben.
Burry hat seine Logik in einem Substack-Post vom 9. Mai 2026 selten-er-weise öffentlich erklärt. Am Morgen nach einem 13-prozentigen Kurs-Einbruch bei MercadoLibre kaufte er eine volle Position. Seine Begründung: Der Kurs fiel unter seinen intern berechneten intrinsischen Wert — den er als IV15 bezeichnet, ein auf 15-Jahres-Gewinn-Normalisierung basierendes Bewertungs-Maß. Für Burry war der Einbruch kein Signal zur Vorsicht, sondern eine Einladung zum Kauf.
Dieselbe Logik wendet er auf Adobe an: KI-Konkurrenz — insbesondere durch Midjourney, Stable Diffusion und zunehmend leistungs-fähige Text-to-Image-Funktionen in ChatGPT — hat den Adobe-Kurs massiv unter Druck gebracht. Aber Adobes Kunden-Bindung über Creative Cloud, seine Pricing Power gegenüber Berufs-Fotografen und Kreativ-Agenturen, und sein eigenes KI-Feature-Set über Firefly bleiben nach Burrys Lesart strukturell intakt. Der Markt bestraft Adobe für ein Risiko, das sich möglicherweise langsamer materialisiert als die Kurs-Reaktion suggeriert.
Was SEC-13F-Filings prinzipiell nicht zeigen: Short-Positionen. Burrys öffentlich bekannte Long-Positionen sind nur die halbe Wahrheit. Er könnte parallel gegen Märkte oder Sektoren wetten, die er für über-bewertet hält — und diese Wette würde in keinem öffentlichen Filing auftauchen. Das ist ein strukturelles Informations-Defizit für jeden, der Burrys Portfolio als Investment-Karte verwenden will.
Wertvoller als das konkrete Portfolio ist das Prinzip dahinter: Out-of-favour-Titel mit intakten Fundamental-Daten systematisch suchen, nicht schöne Wachstums-Geschichten die bereits eingepreist sind. Das ist ein Ansatz, der in Phasen hoher Markt-Bewertungen und Konzentration — wie 2026 — historisch besonders gut abschneidet.