Märkte · 4. Juli 2026

Hormus ist wieder offen und aus der Ölknappheit wird ein Überangebot

35 Tanker verließen die Straße von Hormus an einem einzigen Tag, erstmals wieder Vorkriegsniveau. Gleichzeitig erhöht OPEC+ die Förderquoten. Der Ölpreis fällt schneller als erwartet.

Nach dem Islamabad Memorandum normalisiert sich der Schiffsverkehr durch die Straße von Hormus schneller als prognostiziert. Morgan Stanley zählte erstmals wieder Tankerabgänge auf Vorkriegsniveau, während OPEC+ ab Juli zusätzliche 188.000 Barrel pro Tag freigibt.

Die Wiedereröffnung der Straße von Hormus verläuft schneller als von den meisten Analysten erwartet. Nach Angaben von Morgan Stanley verließen an einem einzigen Tag 35 Öl und Gastanker die Meerenge, womit der Verkehr erstmals seit Kriegsbeginn Ende Februar wieder das Niveau der Vorkriegszeit erreichte. Grundlage ist das Islamabad Memorandum vom 17. Juni, in dem Iran zugesagt hat, die Passage für sechzig Tage gebührenfrei zuzulassen, während in Katar indirekte Gespräche über eine dauerhafte Regelung laufen.

Vom Engpass zum Überangebot

Während die aufgestauten Tanker abfließen, dreht die Angebotsseite gleichzeitig weiter auf. Sieben OPEC+ Staaten haben beschlossen, ihre Förderziele ab Juli um weitere 188.000 Barrel pro Tag anzuheben, die vierte Quotenerhöhung seit der Schließung von Hormus. Die Kombination aus freigesetzten Lagerbeständen, zurückkehrenden Exporten und höheren Quoten drückt den Preis, der während des Krieges über 100 Dollar je Barrel notierte, deutlich nach unten. Al Jazeera stellte am 2. Juli bereits die Frage, ob aus der Knappheit ein Überangebot geworden ist.

Die Normalisierung bleibt unvollständig

Schiffsdaten zeigen zugleich, dass die Erholung vorerst partiell bleibt. Der Durchschnitt der Transite über sieben Tage liegt weiterhin klar unter dem Vorjahresniveau, und Reeder kalkulieren die politische Unsicherheit weiter ein, denn die sechzigtägige Verhandlungsfrist des Memorandums läuft Mitte August ab. Teheran besteht zudem auf der Lesart, die Kontrolle über die Meerenge gemeinsam mit Oman zu behalten. Das Überangebot von heute steht damit unter einem Vorbehalt, den der Markt genau kennt.