Aktien & Investoren · 13. Juni 2026

Greg Abel übernimmt Berkshire — was sich ändert und was bleibt

Nach 60 Jahren Buffett steht das meistbeobachtete Konglomerat der Welt vor seiner ersten echten Führungsprobe.

Greg Abel ist seit Jahresbeginn 2026 CEO von Berkshire Hathaway. Sein erster Earnings Call: Rekord-Cashberg, überbewerteter Markt, und die Frage wie er Buffetts Vermächtnis weiterführt.

Greg Abel hat die schwerste Aufgabe im amerikanischen Unternehmertum übernommen: Er folgt Warren Buffett bei Berkshire Hathaway — einem Unternehmen, das so sehr mit einer einzelnen Person identifiziert wird, dass die Trennung zwischen Institution und Gründer-Persönlichkeit selbst für erfahrene Anleger schwierig ist.

Abels Ausgangslage ist auf dem Papier komfortabel. Die Versicherungs-Sparte — GEICO, General Re, Berkshire Hathaway Reinsurance — postete im Q1-2026 einen Anstieg des Underwriting-Gewinns um 28,5% auf 1,7 Milliarden Dollar. Der operative Gesamt-Gewinn stieg um 18% auf 11,35 Milliarden Dollar. Das operative Geschäft läuft gut.

Die eigentliche Frage, die kein Earnings-Call beantwortet: Was macht Abel mit dem Cash-Berg von 397 Milliarden Dollar? Und mehr noch — denkt er wie Buffett darüber nach, oder anders?

Abel kommt aus der Energie-Sparte. Er führte Berkshire Hathaway Energy über Jahre — ein Unternehmen das Strom-Netz-Betreiber, Erneuerbare-Energie-Anlagen und Versorgungs-Unternehmen umfasst. Seine Branchen-Instinkte sind andere als Buffetts. Buffett liebte Konsumgüter — Coca-Cola, See's Candies, Dairy Queen — und Finanz-Werte. Abel hat tiefere Expertise in Infrastruktur und regulierten Versorgungs-Märkten.

Das ist keine Qualitäts-Frage. Aber es ist ein Hinweis darauf, dass Berkshires nächste große Akquisition möglicherweise anders aussieht als seine historischen Deals. Ein Energie-Infrastruktur-Deal, eine Strom-Netz-Investition, ein Industrie-Konglomerat — das sind mögliche Abel-typische Ziele. Ob das die richtigen Wetten für die nächste Dekade sind, hängt davon ab, wie sich die Energie-Wende und die KI-Infrastruktur-Nachfrage entwickeln.

Am Rande des Annual Meetings wurde Apple-CEO Tim Cook gesichtet — Buffett lobte ihn ausführlich und zog eine bewusste Parallele: Cook hatte 2011 die scheinbar unmögliche Aufgabe, Steve Jobs zu beerben, und lieferte eine der erfolgreichsten Unternehmens-Geschichten der Folge-Jahrzehnte. Das Berkshire-Narrativ schreibt die Parallele fort — aber Analogien ersetzen keine Strategie-Analyse. Abels erste große Akquisitions-Entscheidung wird zeigen, ob er Buffetts Kapital-Disziplin fortführt, oder ob der Cash-Berg endlich zu arbeiten beginnt.