Farage tritt als Abgeordneter zurück und will sich per Nachwahl rehabilitieren
Unter dem Druck mehrerer Spendenaffären gibt der Reform UK Chef sein Unterhausmandat auf und tritt bei der dadurch ausgelösten Nachwahl selbst wieder an. Ein Manöver mit hohem Einsatz.
Nigel Farage hat am Dienstag seinen Rücktritt als Abgeordneter erklärt und damit eine Nachwahl in seinem Wahlkreis ausgelöst, bei der er selbst wieder kandidiert. Mit dem Manöver will er sich nach mehreren Spendenaffären vom Wähler rehabilitieren lassen, bevor eine Parlamentsuntersuchung ihn dazu zwingen kann.
Nigel Farage hat am Dienstag in einer übertragenen Erklärung seinen Rücktritt als Unterhausabgeordneter angekündigt und zugleich erklärt, bei der dadurch ausgelösten Nachwahl in seinem Wahlkreis selbst wieder anzutreten. Ich habe nichts falsch gemacht, ich habe in keiner Weise das Gesetz gebrochen, sagte der Chef von Reform UK. Das Kalkül dahinter ist klassischer Farage, statt eine drohende Parlamentsuntersuchung samt möglicher Suspendierung abzuwarten, sucht er die Abstimmung an der Wahlurne und will sich vom Wähler rehabilitieren lassen, bevor das Unterhaus über ihn urteilt. Gewinnt er die Nachwahl, kann er jede weitere Untersuchung als Angriff auf ein frisches Mandat abtun. Verliert er, ist seine politische Karriere wohl beendet.
Eine Affäre reiht sich an die nächste
Auslöser der Krise ist ein Bericht der Sunday Times, wonach der Kryptofinancier und Glücksspieler George Cottrell im Jahr vor der Wahl Sicherheitsleute und Personal für Farage finanziert, drei Mitarbeiter für dessen Social Media Auftritte bezahlt und ihm ein fünfstöckiges Stadthaus nahe dem Buckingham Palace überlassen haben soll, ohne dass Farage dies vollständig offengelegt hätte. Es ist bereits die dritte Finanzaffäre innerhalb weniger Monate. Im April hatte der Guardian enthüllt, dass Farage kurz vor seiner Kandidatur 2024 ein Geschenk von fünf Millionen Pfund des Kryptomilliardärs Christopher Harborne erhalten hatte, im Juni wurde bekannt, dass er 270.000 Pfund für zwölf Stunden Werbearbeit für Goldbarren kassierte. Farage spricht von einem Anschlag des Establishments.
Ein Spiel mit hohem Einsatz
Das Manöver fällt in eine verwundbare Phase. Reform UK hat in diesem Jahr zwei prominente Nachwahlen verloren, eine an die Grünen und eine an die regierende Labour Partei, und an der rechten Flanke wächst mit Restore Britain eine neue Partei unter Führung des früheren Reform Abgeordneten Rupert Lowe. Für einen Politiker, dessen Marke auf dem Kampf gegen eine abgehobene Elite beruht, ist die Häufung von Berichten über Millionengeschenke und Luxusimmobilien gefährlicher als jede einzelne Enthüllung. Genau deshalb setzt Farage alles auf eine Karte, die Nachwahl wird zur Volksabstimmung über seine Glaubwürdigkeit, und ganz Westminster wird zusehen.