Makro · 26. Juni 2026

Eine Billion Dollar nur für Zinsen: Amerikas Schulden und der Moment, den niemand benennen will

Die USA zahlen 2025 mehr für Schuldzinsen als für ihr gesamtes Militär. Das Defizit im laufenden Jahr liegt bei 2 Billionen Dollar. Moodys hat die Kreditwürdigkeit herabgestuft. Und in Washington gibt es keinen Plan.

Im Haushaltsjahr 2025 übertrafen die US-Zinszahlungen erstmals das Verteidigungsbudget: über eine Billion Dollar allein für Schuldzinsen. Das CBO sieht die Verschuldung bis 2036 bei 120 Prozent des BIP. Moodys stufte die USA im Mai 2026 auf Aa1 herab.

Im Haushaltsjahr 2025 überschritten die Zinszahlungen der US-Bundesregierung erstmals die Marke von einer Billion Dollar und übertrafen damit das gesamte Verteidigungsbudget von 886 Milliarden Dollar, was bedeutet, dass Amerika in diesem Jahr mehr für vergangene Ausgaben als für seine gegenwärtige Militärmacht aufwendete und damit eine Grenze überschritt, die Fiskalökonomen seit Jahren als kritischen Schwellenwert bezeichnet hatten. Der 30-jährige Treasurybond notiert bei 4,86 Prozent, das Defizit im laufenden Haushaltsjahr 2026 liegt bei rund zwei Billionen Dollar, dem drittgrößten in der amerikanischen Geschichte nach den Coronajahren, und die Staatsverschuldung hat 101 Prozent des Bruttoinlandsprodukts erreicht, einen Stand, den das CBO bis 2036 auf 120 Prozent ansteigen sieht.

Wie beide Parteien zur Spirale beitragen

Das Defizit ist keine Konjunkturschwankung, sondern das Ergebnis eines strukturellen Musters, das parteiübergreifend seit zwei Jahrzehnten anhält: Unter Biden explodierten die Ausgaben durch Infrastrukturpakete, Chipsubventionen und Inflationsbekämpfung, unter Trump sinken die Einnahmen durch weitreichende Steuersenkungen, während Militärausgaben, Rentenversicherung und Medicaid strukturell weiter wachsen und politisch kaum angreifbar sind. Das CBO hat berechnet, dass der sogenannte Big Beautiful Bill die Verschuldung bis 2034 um weitere 3,3 Billionen Dollar erhöhen würde, neue Anleihen werden zu höheren Zinssätzen emittiert als die auslaufenden Papiere, was den Schuldendienst jedes folgenden Jahres automatisch verteuert und den Spielraum für alle anderen Ausgaben weiter einengt.

Was Moodys und der Bondmarkt signalisieren

Die Herabstufung der USA durch Moodys im Mai 2026 von Aaa auf Aa1 war die letzte der drei großen Ratingagenturen und weniger ein Signal an die Märkte als eine formale Bestätigung dessen, was institutionelle Investoren längst eingepreist hatten, denn Japan und China haben ihre Bestände an US-Staatsanleihen in den vergangenen zwei Jahren netto reduziert, während Pensionsfonds und Zentralbanken weltweit beginnen, die Annahme einer absolut risikolosen Anlage leise zu hinterfragen. Der Dollar bleibt Weltreservewährung, und solange das so ist, kann Washington zu Konditionen borrowen, die anderen Staaten mit vergleichbaren Bilanzen verwehrt blieben, aber dieser Status ist kein Naturgesetz, sondern eine Funktion globalen Vertrauens.

Der Moment, den niemand benennen will

Das politische Kalkül auf beiden Seiten des Gangs ist bekannt: Ausgaben kürzen bedeutet Wähler verlieren, Steuern erhöhen bedeutet dasselbe, und der nächste Wahlzyklus liegt immer näher als der fiskalische Kollaps, weshalb das Finanzministerium die Lücke durch neue Anleiheemissionen finanziert und darauf vertraut, dass der Reservewährungsstatus den Markt ruhig hält. Was fehlt, ist kein Wissen über das Problem, sondern der Anreiz, es zu lösen. Die offene Frage ist nicht ob dieser Pfad langfristig tragfähig ist, sondern welches konkrete Ereignis, ob ein gescheiterter Auktionstermin, eine koordinierte Verkaufswelle asiatischer Zentralbanken oder ein Vertrauensbruch im Dollarmarkt, ihn für alle gleichzeitig sichtbar macht.