Macht & Eliten · 29. Juni 2026

Ein Imperium, zwei Deals, drei Netzwerke: Wie die Familie Ellison Medien, Daten und Macht bündelt

Larry Ellison ist zeitweise reichster Mensch der Welt. Sein Sohn David kauft CBS, CNN und HBO. Oracle überwacht TikToks Algorithmus. Und Trump entscheidet, ob die Deals durchgehen.

Donald Trump und Larry Ellison (Foto: Imago / UPI Photo)
Donald Trump und Larry Ellison (Foto: Imago / UPI Photo)

Die Familie Ellison konzentriert gerade mehr Einfluss über westliche Medien und Dateninfrastruktur als jede andere Privatfamilie seit Generationen. Larry, Oracle-Gründer und zeitweise reichster Mensch der Welt, hält die Kasse. Sohn David kauft mit Skydance die Sender. Trump entscheidet über die Genehmigungen.

Larry Ellison gründete Oracle 1977, benannt nach einem CIA-Datenbankprojekt namens Oracle — die Agency war Oracles erster Großkunde, lieferte die Anfangsfinanzierung und gab dem Unternehmen den Namen. Diese Herkunft ist kein Randdetail und keine Kuriosität, sondern ein früher Hinweis darauf, in welchen Institutionen Ellison seine Karriere aufgebaut hat und welche Art von Vertrauen er dort bis heute genießt. Heute ist Oracle einer der größten Cloud- und Datenanbieter der westlichen Welt, betreibt Infrastruktur für Regierungen, Geheimdienste und Konzerne, und Ellison selbst hat mit einem Vermögen von zeitweise über 300 Milliarden Dollar vorübergehend Elon Musk als reichsten Menschen der Welt abgelöst.

Sein Sohn David leitet Skydance Media, ein Produktionsstudio, das Larry mit eigenem Kapital finanziert hat, und seit August 2025 ist Skydance kein Produktionsstudio mehr, sondern ein Medienkonglomerat: Die Übernahme von Paramount Global für rund 8 Milliarden Dollar brachte CBS News, Paramount Pictures, MTV, Nickelodeon, Comedy Central und BET unter ein Dach. Gleichzeitig läuft eine rund 110 Milliarden Dollar schwere Übernahme von Warner Bros. Discovery, die CNN, HBO, das Sportpaket TNT Sports und den gesamten Discovery-Apparat umfasst. Das Justizministerium hat freigegeben, Kaliforniens Generalstaatsanwalt Rob Bonta prüft noch kartellrechtliche Fragen. Sollte dieser Deal bis zum erwarteten Abschluss im dritten Quartal 2026 durchgehen, kontrolliert ein einziger Konzern, geführt von einem 30-jährigen Produzenten ohne redaktionelle Erfahrung, drei der prägendsten Nachrichtenmarken der englischsprachigen Welt.

Personal als Redaktionspolitik

Die auffälligste Personalentscheidung nach der Paramount-Übernahme war die Berufung von Bari Weiss zur Chefin von CBS News. Weiss ist eine bekannte Publizistin, deren definierende Eigenschaft ihre dezidiert pro-israelische Haltung und ihre Kritik an progressiven Medien ist, aber sie hat keine Erfahrung im Fernsehbetrieb. Sie berichtet direkt an David Ellison. Das Flaggschiff des Senders, das Magazin 60 Minutes, wurde von sieben auf drei Korrespondenten reduziert.

Scott Pelley, langjähriger Moderator, warf der Führung öffentlich vor, er sei angewiesen worden, Falschaussagen in Beiträge einzubauen, und ein Segment über das Abschiebegefängnis CECOT in El Salvador sei auf Druck der Führung nicht ausgestrahlt worden. Paramount bestreitet die Darstellung. Die Einschaltquoten von CBS News sind im Sturzflug. Werbekunden sind nervös. Was hier dokumentiert ist, ist kein Verdacht, sondern eine sichtbare Kursänderung — in Personal, Programm und Tonalität.

Trump, die FCC und das Kalkül der Genehmigungen

Die Verbindung zwischen dem Ellison-Imperium und der Trump-Regierung ist nicht spekulativ, sondern folgt einer nachvollziehbaren Geschäftslogik: Beide Großdeals brauchen die Freigabe amerikanischer Bundesbehörden, und diese Behörden werden von Trumps Ernannten geführt. Im November 2025 einigte sich Skydance mit Trump auf einen 16-Millionen-Dollar-Vergleich in einer Klage, die Trump gegen CBS wegen angeblich tendenziöser Berichterstattung in einem Kamala-Harris-Interview eingereicht hatte. CBS und Paramount hatten die Klage zunächst als rechtlich haltlos bezeichnet. Kurz nach dem Vergleich erteilte die FCC unter Trumps Kommissarin ihre Freigabe für die Paramount-Übernahme. Ein von der Trump-Regierung eingesetzter Beamter namens Weinstein fungiert seither als sogenannter Ombudsmann bei CBS News, eine Position, die in der Geschichte amerikanischer Pressefreiheit kein Vorbild hat.

Vor der DOJ-Freigabe des Warner-Bros.-Discovery-Deals fand ein Dinner mit Trump statt, und Larry Ellison soll dem Präsidenten persönlich im Weißen Haus zugesagt haben, CNN werde im Fall einer Übernahme grundlegend verändert. Das Justizministerium gab den Deal kurz darauf frei. Man muss dabei keine Korruption unterstellen, um das Muster zu sehen: Wer zwei der größten Mediendeals der Geschichte abschließen will und dafür Behördenfreigaben braucht, hat einen starken ökonomischen Anreiz, den Präsidenten, der diese Behörden kontrolliert, nicht zu verärgern. Dokumentierter Hauptnutznießer ist Trump: Er bekommt Einfluss auf Sender, die ihn jahrelang kritisch berichteten, ohne dafür den Kongress, ein Gesetz oder eine öffentliche Debatte zu benötigen.

Oracle, TikTok und die Frage des Algorithmus

Parallel zu den Medienkäufen gehört Oracle zur Investorengruppe, die den US-Betrieb von TikTok übernimmt, vom Weißen Haus abgesegnet. Oracle soll dabei die Datensicherheit gewährleisten und die Überwachung des Empfehlungsalgorithmus übernehmen. Das ist die schärfste strukturelle Sorge in diesem Gesamtbild, und sie liegt nicht in einer belegbaren Einzelhandlung, sondern in einer Konstellation: TikTok ist der Kanal, über den vor allem junge Nutzer in westlichen Ländern Gaza-Bilder, Kriegsdokumentation und kritische Perspektiven auf israelische Militäraktionen sehen, weil der Algorithmus Inhalte jenseits klassischer Mediengatekeeper verbreitet.

Larry Ellison ist einer der größten privaten Israel-Förderer der USA, hat 2017 in einem damaligen Rekord 16,6 Millionen Dollar an die Friends of the IDF gespendet und pflegt laut dem israelischen Haaretz eine enge persönliche Freundschaft zu Benjamin Netanjahu, dem 2021 sogar ein Vorstandssitz angeboten worden sein soll. Es gibt keinen dokumentierten Beleg dafür, dass Oracle den TikTok-Algorithmus bisher konkret politisch beeinflusst hat. Die Sorge ist strukturell: Ein Eigentümer mit klar dokumentierten politischen Präferenzen bekommt Kontrolle über die Empfehlungsinfrastruktur der jugendlichsten Plattform der Welt.

Was belegt ist, was Spekulation bleibt

Es kursieren schärfere Vorwürfe als die in diesem Artikel genannten: dass die Ellisons im direkten Auftrag der israelischen Regierung handeln, dass Scott Pelley nachweislich zur Lüge angewiesen wurde, dass geleakte interne E-Mails belegen, wie Redakteure Anweisung erhalten haben, BDS-freundliche Inhalte zu unterdrücken. Diese Behauptungen sind nicht verifiziert und werden hier nicht als Fakt behandelt. Pelleys Aussagen sind seine eigene Darstellung, Paramount widerspricht ihr. Unverifizierte Leaks sind keine Belege. Diese Unterscheidung ist nicht akademisch, sie ist der entscheidende Unterschied zwischen investigativem Journalismus und dem, was davon auf Social Media übrig bleibt.

Was belegt ist, reicht trotzdem für ein vollständiges Bild: Ein Medienproduzent mit nachgewiesenen politischen und philanthropischen Präferenzen kauft die prägendsten Sender des amerikanischen Fernsehens, setzt Chefredakteure ohne Branchenerfahrung ein, die direkt an ihn berichten, zahlt einen achtstelligen Vergleich an einen Präsidenten, der über seine Behördenfreigaben entscheidet, und übernimmt gleichzeitig Dateninfrastruktur für die jugendlichste Plattform der westlichen Welt. David Ellison sagt, sein Unternehmen sei zuerst ein Entertainmentkonzern, redaktionelle Unabhängigkeit werde gewahrt. Das Werbegeschäft von CBS gibt ihm Recht, dass die aktuelle Richtung ökonomisch selbstschädigend ist: Die Ratings fallen, Werbekunden ziehen sich zurück, und eine rechtslastige Ausrichtung kostet in einem werbefinanzierten Medium Geld. Entweder korrigiert der Markt den Kurs, oder die Ellisons akzeptieren Einnahmeverluste für einen anderen Zweck. Die offene Frage ist nicht, ob diese Familie Einfluss will. Die Frage ist, wessen Einfluss — und ob die Institutionen, die Medienkonzentration bremsen sollten, in einer Regierung noch funktionieren, die selbst Nutznießer dieser Konzentration ist.