Das Amt als Geschäftsmodell: Wie Trump sein Nettovermögen mit dem Präsidentenamt verdreifacht hat
TRUMP Meme Coin, World Liberty Financial, Staatsgäste in eigenen Hotels: Reuters dokumentiert, wie die Trumpfamilie seit Januar 2025 rund 2,3 Milliarden Dollar verdient hat, während Kleininvestoren dieselbe Summe verloren.

Seit Januar 2025 ist Trumps Nettovermögen von 2,3 auf geschätzte 6,5 Milliarden Dollar gestiegen. Drei Kanäle: ein Meme Coin, ein Kryptounternehmen mit Staatsfondsbeteiligung und Hotels, in denen ausländische Regierungsvertreter residieren. Reuters beziffert das Ergebnis: Trumpfamilie plus 2,3 Milliarden Dollar, Kleininvestoren minus 2,3 Milliarden.
Zwei Tage vor seiner Amtseinführung lancierte Trump den TRUMP Meme Coin, der innerhalb von 48 Stunden auf 45 Dollar stieg und anschließend um mehr als 95 Prozent einbrach, wobei Blockchainanalysen zeigen, dass das Trumpnahe Unternehmen CIC Digital rund 80 Prozent des gesamten Tokenangebots kontrolliert und ein Großteil der Kursgewinne damit direkt an die Ausgabeseite floss. Reuters hat die Gesamtbilanz rekonstruiert und kommt zu einem klaren Ergebnis: Die Trumpfamilie vereinnahmte netto rund 2,3 Milliarden Dollar aus dem Coinmarkt, während die Summe der Verluste bei Kleininvestoren in derselben Größenordnung liegt. Kein anderes Finanzprodukt in der jüngeren amerikanischen Geschichte wurde von einer Person lanciert, die gleichzeitig die politischen Rahmenbedingungen des Marktes setzte.
World Liberty Financial und die Golfstaaten
Im Mai 2026 verkaufte World Liberty Financial, ein von der Trumpfamilie kontrolliertes Kryptounternehmen, 49 Prozent der Unternehmensanteile an Investoren aus Abu Dhabi für 500 Millionen Dollar, wobei der Gesellschaftsvertrag vorsieht, dass 75 Prozent aller Unternehmenseinnahmen an die Trumpfamilie fließen. Der Abschluss erfolgte in denselben Wochen, in denen Trumps Wirtschaftsberater Handelsgespräche mit den Vereinigten Arabischen Emiraten führten, und die Gegenpartei war damit ein Staatsfonds eines Landes, das aktiv auf diplomatische Ergebnisse in Washington hoffte. Ethikrechtsexperten an mehreren amerikanischen Universitäten haben diesen Vorgang als strukturellen Interessenkonflikt eingestuft, ohne dass eine Bundesbehörde bisher eingegriffen hätte.
Hotels, Mitgliedschaften, Staatsgäste
Das Anwesen Maralago verlangt seit Anfang 2025 eine Jahresmitgliedschaft von einer Million Dollar, eine Verdoppelung gegenüber dem Vorjahresniveau, und mehrere Dutzend ausländische Regierungsvertreter haben dort während diplomatischer Besuche in Washington übernachtet, wobei die Washington Post dokumentiert hat, dass Unternehmen, die gleichzeitig Trumps politische Aktionen und seine kommerziellen Projekte finanzierten, in regulatorischen Verfahren bei der FCC und der FTC ungewöhnlich günstige Ergebnisse erzielten. Der dritte Kanal ist in der Summe kleiner als Coin und Kryptounternehmen, aber politisch aufschlussreicher, weil er das direkteste Bild davon liefert, wie ausländische Regierungen Zugang zu kaufen versuchen.
Warum das System nicht eingreift
Der Emoluments Clause der US-Verfassung verbietet Präsidenten Zahlungen von ausländischen Regierungen, aber was als Privatunternehmen mit zwischengeschalteten Gesellschaftsstrukturen organisiert ist, entzieht sich dieser Definition nach bisheriger Rechtsprechung, und Kongressermittlungen wurden im republikanisch kontrollierten Repräsentantenhaus blockiert, während Ethikbehörden keine Durchsetzungsmacht besitzen. Was bleibt, ist eine institutionelle Frage, die über Trump hinausweist: Wenn ein Präsident seine Finanzen so strukturieren kann, dass das Amt selbst zur Einnahmequelle wird, und kein Mechanismus des politischen Systems eingreift, welchen Präzedenzfall schafft das dann für jeden Amtsinhaber nach ihm?