Macht & Eliten · 14. Juni 2026

BRICS umfasst nach Expansion erstmals die halbe Weltbevölkerung

41% der Weltwirtschaft, 13 neue Partnerländer — und kaum westliche Aufmerksamkeit.

Mit der Aufnahme von 13 neuen Partnerländern repräsentiert der BRICS-Block nun rund die Hälfte der Weltbevölkerung und 41% der globalen Wirtschaftsleistung.

BRICS ist ein Akronym das 2001 von Goldman-Sachs-Ökonom Jim O'Neill als Marketing-Begriff geprägt wurde — keine geopolitische Vision, sondern eine Investitions-These über aufkommende Wirtschafts-Mächte. Was als analytisches Konstrukt begann, ist 25 Jahre später zu einer institutionalisierten geopolitischen Kraft geworden, die O'Neill selbst nicht vorhergesehen hat.

Die aktuelle Zusammensetzung nach der 2024er-Erweiterung und den 2025er-Beitritts-Prozessen: rund 44% des globalen BIP nach Kauf-Kraft-Parität, über 55% der Welt-Bevölkerung — 4,45 Milliarden von 8 Milliarden Menschen. Die G7 repräsentiert nur noch 29% des globalen BIP und 10% der Welt-Bevölkerung. Das ist eine dramatische Verschiebung in der demografischen und wirtschaftlichen Gewichts-Verteilung — auch wenn politische Kohäsion und institutionelle Schlag-Kraft der G7 immer noch deutlich überwiegen.

Der entscheidende historische Daten-Punkt, der kaum Schlagzeilen machte: Die fünf ursprünglichen BRICS-Gründungs-Mitglieder — Brasilien, Russland, Indien, China, Südafrika — übertrafen das G7-BIP in Kauf-Kraft-Parität bereits 2018. Das war ein stiller Kipppunkt, der in der medialen Berichterstattung kaum registriert wurde.

Was BRICS+ tatsächlich produziert, jenseits der Gipfel-Erklärungen: Die Mitglieder kontrollieren die größten Öl- und Gas-Reserven außerhalb west-licher Alliierter. Sie kontrollieren den Groß-Teil der globalen Agrar-Rohstoffe — Russland und Indien sind die größten Weizen-Exporteure weltweit. Und sie kontrollieren die kritischsten Mineralien für die Energie-Wende: Kobalt, Lithium, Seltene Erden, Graphit.

Was BRICS nicht ist: Ein kohärenter politischer Block. Die internen Spannungen zwischen China und Indien, zwischen Brasilien und Russland, zwischen ambitionierten und kompromiss-tragenden Mitgliedern sind erheblich. Es gibt kein gemeinsames Militär, keine gemeinsame Währung trotz Ankündigungen, keine gemeinsame Außen-Politik. Was BRICS hat, ist gemeinsamer Rohstoff-Reichtum und gemeinsames strategisches Interesse an einer multi-polaren Welt, in der west-liche Norm-Setzung nicht automatisch gilt.

Für Anleger sind die Implikationen über geopolitische Abstraktion hinaus konkret: Rohstoffe — Gold, Kupfer, Lithium, Öl — gewinnen als strategische Assets in einer fragmentierten Welt-Ordnung strukturell an Bedeutung. Der Dollar als alleinige Reserve-Währung steht unter Druck — nicht durch einen dramatischen Zusammenbruch, sondern durch die langsame Institutionalisierung von Alternativen: mehr Handel in Yuan, mehr bilaterale Währungs-Vereinbarungen, mehr physisches Gold in Zentral-Bank-Reserven.