Berkshire Hathaway hortet $397 Milliarden Cash — und nennt den Markt ein Kasino
Buffett ist weg. Greg Abel übernimmt. Der Cashberg wächst weiter. Was das über den Zustand des Marktes aussagt.
Berkshire Hathaway schloss Q1 2026 mit einem Rekord-Cashbestand von $397,4 Milliarden ab. Das Unternehmen verkauft seit 14 Quartalen in Folge mehr Aktien als es kauft.
Warren Buffett ist offiziell zurückgetreten. Beim Annual Meeting am 2. Mai 2026 saß er zum ersten Mal seit 60 Jahren als Zuschauer im Publikum. Dieser Moment markiert das Ende einer Ära in der amerikanischen Unternehmens-Geschichte — und wirft sofort die Frage auf, was Berkshire Hathaway ohne Buffett ist.
Die Zahl die dabei alles überschattet: 397,4 Milliarden Dollar Cash. Ein neuer Rekord. Der Betrag übersteigt das BIP Norwegens. Er ist größer als die Markt-Kapitalisierung von Bank of America (370 Milliarden Dollar) oder Coca-Cola (336 Milliarden Dollar). Berkshire könnte theoretisch morgen beide Unternehmen kaufen und hätte danach noch Geld übrig.
Noch aussage-kräftiger als die absolute Zahl ist die Richtung: Berkshire hat nun 14 Quartale in Folge mehr Aktien verkauft als gekauft. Zugekauft wurde praktisch nichts seit 2022. Apple-Aktien wurden in großem Stil reduziert. Bank-of-America-Positionen wurden abgebaut. Der Eindruck, den das erweckt, ist eindeutig: Buffett — und jetzt Abel — findet bei aktuellen Bewertungen keine attraktiven Möglichkeiten, das Kapital zu arbeiten.
Buffetts eigene Worte auf die Frage, warum Berkshire kein Kapital einsetzt: "Wir haben noch nie Menschen in einer stärkeren Glücksspiel-Verfassung erlebt als jetzt." Das ist keine nüchterne Markt-Analyse — das ist eine moralische Bewertung. Buffett sieht in der aktuellen Markt-Stimmung etwas Pathologisches, nicht nur etwas Über-Bewertetes.
Der Buffett-Indikator — Gesamt-Marktkapitalisierung aller US-Aktien geteilt durch das US-BIP — steht bei 225%. Das Shiller CAPE Ratio liegt über 40 — ein Niveau das historisch nur vor den größten Markt-Korrekturen erreicht wurde. Diese Bewertungs-Kennzahlen sind keine kurzfristigen Timing-Instrumente, aber sie beschreiben den strukturellen Hintergrund, vor dem Berkshires Cash-Hortung zu verstehen ist.
Für Anleger ist Berkshires Cash-Berg kein direktes Rezept zum Kopieren. Die Opportunitäts-Kosten für Privatanleger, jahrelang in Cash zu sitzen und Markt-Rallyes zu verpassen, sind erheblich. Was man mitnehmen kann: Buffetts konstante Betonung von Bewertungs-Disziplin und Margin of Safety ist keine antiquierte Methode — sie ist ein Korrektiv gegen die Euphorie-Phasen, in denen Bewertungen dauerhaft höher zu sein scheinen, bis sie es nicht mehr sind.